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Jouhikko

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Jouhikko

Jouhikko (finnisch auch jouhikantele oder jouhikannel) ist die seltene Form einer zwei- oder dreisaitigen, mit einem Bogen gestrichenen Leier, die heute besonders in der Volksmusik in Finnland gespielt wird. Das Instrument ist seit dem Mittelalter in Savo und Karelien bekannt.[1]

Der auf der Decke stehende Steg in Verbindung mit einer gegenüberliegenden Öffnung charakterisiert die Jouhikko und die eng verwandte schwedische Streichleier talharpa mit vier Saiten. Es besteht möglicherweise eine Beziehung zu der sechssaitigen Griffbrettleier crwth in Wales. Die langgestreckte rechteckige Form des Korpus verweist auf die Verwandtschaft mit Bordunzithern, die in Nordeuropa kannel[2] in Estland, langeleik in Norwegen, langspil und fiðla in Island heißen. Letztere war vermutlich Vorbild für das Instrument tautirut der kanadischen Inuit. (Zu den Herkunftstheorien siehe Talharpa.)

Die Jouhikko hat kein Griffbrett. Das Loch ist dazu da, um die linke Hand von unten durchzustrecken und mit den Fingern die eine Melodieseite durch seitliches Berühren zu verkürzen. Das Instrument wurde früher häufig für das Spielen finnischer Volksmusik gebraucht, heute kommt es seltener vor. Wie bei ähnlichen Instrumenten wurden die Saiten traditionell aus Tierdärmen gefertigt.[3] Nachbauten besitzen Nylon- oder auch Metallsaiten.

Der Bogen wurde mit Rosshaar gespannt.[3]

Der finnische Name jouhikko wurde vom Substantiv jousi (> jouhi) „Bogen“ mit Hilfe des Ableitungssuffixes -kko gebildet.[3]

Im Deutschen hat der Name für diese Realie keine etablierte Genusform, und das Wort wird sowohl als Neutrumdas Jouhikko“ als auch Femininumdie Jouhikko“ verwendet. Das musikwissenschaftliche Nachschlagewerk Die Musik in Geschichte und Gegenwart verwendet letzteres.[4]

Der Namensbestandteil kantele in der Wortzusammensetzung jouhikantele (bzw. -kannel) bezieht sich auf die andersgeartete, finnische griffbrettlose Zither Kantele, also eine „Bogenkantele“ die nicht gezupft, sondern gestrichen wird.

Gestimmt sind die drei Saiten auf d¹–a–e¹, wobei die mittlere A-Saite als begleitende Bordun verwendet wird. Diese Stimmung des Instruments ist auch als karelische Stimmung bekannt. Falls die Bordunsaite tiefer gestimmt ist, verwendet man den finnischen Begriff haikea (melancholisch).

Eine moderne Band, die auf der Jouhikko spielt, ist die Folk-Metal-Gruppe Korpiklaani.[5]

  • Rauno Nieminen: Jouhikko. The bowed lyre. Übersetzer: Jim Landon, Horst Bernhardt. 2. Auflage. Kansanmusiikki-instituutti, Sibelius-Akatemia, 2017 (englisch).

Einzelnachweise

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  1. Playing and building the Jouhikantele. In: Wiki-inventory for living heritage. Museovirasto, abgerufen am 28. Mai 2026 (englisch).
  2. Kandlekoda. (Beschreibung der estnischen kannel)
  3. 1 2 3 Timo Leisiö: Suomen ja Karjalan vanhakantaiset torvi- ja pillisoittimet. 1.Nimistö, rakenteet ja historia. Kansanmusiikki-instituutti, 1983, ISBN 978-951-95410-8-2 (finnisch).
  4. Árni Heimir Ingólfsson, Hallgrímur Helgason, Göran Bergendal: Island. In: MGG Online. Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bärenreiter-Verlag Karl Vötterle, J. B. Metzler, Répertoire International de Littérature Musicale Inc., 2021, ISSN 2510-4284 (mgg-online.com).
  5. Rüdiger Stehle: KORPIKLAANI - Tales Along This Road. In: powermetal.de. 14. April 2006, abgerufen am 28. Mai 2026: „Dabei kommt neben dem heftig krachenden Metallinstrumentarium auch volkstümliches Klanggerät wie etwa […] das Jouhikko […] zum Zuge“