Asos veröffentlichte am Donnerstag mit seinen jüngsten Zahlen große Neuigkeiten: Ein Joint Venture für Topshop und Topman. Weiter wurden Details zur neuen Finanzierung bekannt, die sich teilweise durch den Topshop-Deal ergeben.

Über die Besitzverhältnisse bei den beiden Hauptmarken des Unternehmens, die Asos nach dem Zusammenbruch von Arcadia übernahm, wurde viel spekuliert. Es ist keine Überraschung, dass Anders Holch Povlsen nun der neue Partner an der Seite des Unternehmens ist.
Am Donnerstag berichtete Asos: „Nach einem ersten freiwilligen Übernahmeangebot und einem intensiven Verkaufsprozess schlossen wir uns heute durch ein verbindliches Abkommen mit einer Tochtergesellschaft von Heartland A/S zusammen, um ein neues Joint Venture zu gründen. Dieses wird die Marken Topshop und Topman übernehmen“.
Heartland ist eine Investitions- und Holdinggesellschaft, die die Interessen der Familie Holch Povlsen – Großaktionärin von Asos – und deren Familienunternehmen Bestseller vertritt. Heartland hält indirekt 28 Prozent der Asos-Anteile.
Über eine Tochtergesellschaft wird Heartland 75 Prozent des zukünftigen Joint Ventures im Wert von GBP 135 Millionen besitzen, „womit sich die Bewertung der Marken Topshop und Topman insgesamt auf GBP 180 Millionen beläuft“. Die verbleibenden 25 Prozent bleiben bei Asos Holding Limited. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über „das Recht, nach eigenem Ermessen“ weitere 5 Prozent der Anteile im Wert von GBP 9 Millionen an seinen Joint-Venture-Partner zu verkaufen.
Nach Abzug der Transaktionsgebühren und anteilsmäßiger Auszahlung an Nordstrom für seinen Anteil, entspricht dies für Asos einer Geldspritze in Höhe von GBP 118 Millionen, die zur Stärkung der Bilanz eingesetzt wird.
Als Asos Anfang 2021 die Marken Topshop und Topman mit Miss Selfridge und HIIT übernahm, war das Unternehmen in Höchstform. Für die vier Marken zahlte Asos GBP 265 Millionen, zuzüglich GBP 30 Millionen für das Inventar. Die Übernahme wurde damals wie folgt beschrieben: „Eine strategisch überzeugende Möglichkeit, starke, ikonische Modemarken zu kaufen, die unsere Kernkundenbasis ansprechen“.
Doch seither hat sich die Situation verschlechtert, weshalb ein Verkauf der wertvollen Marken Topshop und Topman seit geraumer Zeit Gegenstand von Gerüchten ist.
Das neue Joint Venture „wird Asos für ein Nutzungshonorar gewisse Design- und Vertriebsrechte für die Marken Topshop und Topman einräumen, wodurch ASOS die beiden Marken weiterhin vermarkten und online verkaufen kann“. Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet das Unternehmen damit, dass das EBITDA durch den Vorgang mit GBP 10 bis 20 Millionen belastet wird, aber „im Verlauf der Zeit wird er einen immer positiveren Einfluss auf das EBITDA haben“.

Das Unternehmen erklärte, das Joint Venture erlaube es Asos, „einen geschärften Fokus auf die effizientere Kapitalallokation zu legen, und damit die zentrale Back to Fashion-Strategie zu beschleunigen“.
Im Rahmen der Übernahme plant Asos innerhalb von sechs Monaten nach deren Abschluss den Relaunch der Website Topshop.com. Es bestehe „die Chance, den Kundenkreis von Topshop und Topman durch ausgewählte Großhandelspartner zu erweitern - sowohl online als auch offline“.
Die Wiedereinführung von Topshop im stationären Handel wäre sicherlich interessant.
Umsatzrückgang
Nun zu den Zahlen. Asos erklärte, es habe „gute Fortschritte bei der Back to Fashion-Strategie gemacht“. Dabei konzentriere sich das Unternehmen „darauf, das Beste der Mode und eine möglichst inspirierende Erfahrung modebewusste Kunden im Alter von 20 bis 30 Jahren zu bieten, sowie nachhaltiges, profitables Wachstum zu liefern“.
Doch während Asos für das Geschäftsjahr 2024 mit einem bereinigten EBITDA am oberen Ende der Konsens-Schätzungen rechnet, dürfte der Umsatz „leicht unter den Erwartungen“ ausfallen. Das Unternehmen ging jedoch nicht genauer darauf ein.
Zentrale Entwicklungen im zweiten Halbjahr sollen dazu beigetragen haben, die Produkteinführungszeiten zu verbessern. Das Programm Test&React, das Produkte innerhalb von weniger als drei Wochen vom Designstadium in die Läden bringt, erzielte bis Ende Geschäftsjahr 2024 das gesteckte Ziel, rund 10 Prozent des Eigenmarkenumsatzes auszumachen.
Auch die Sparte ‚Partner Fulfils‘ wächst. Gestützt auf KI, Personalisierung und verbesserte Bilder habe sie „das Kundenerlebnis verbessert und die Retourenquote im Jahresvergleich reduziert“.
Mittelzufluss
Und schließlich ein Blick auf die Refinanzierung. Welchen finanziellen Segen die Topshop-Übernahme für die Bilanz des Unternehmens bringt, wurde bereits aufgeführt. Doch erklärte Asos, dass das Unternehmen mit den neuen Mitteln eine Refinanzierung angestoßen habe, in deren Rahmen sie 2028 fällige Wandelanleihen im Wert von GBP 250 Millionen aufkaufe und gleichzeitig von den von Cornwall (Jersey) ausgegebenen Wandelanleihen, die 2026 fällig sind, einen teilweisen Rückkauf der verbleibenden GBP 500 Millionen vornimmt.
Weiter wurde die bestehende Kreditvereinbarung mit Bantry Bay Capital bis Mai 2027 erweitert und verlängert, mit einer Option für eine 12-monatige Verlängerung.
CEO José Antonio Ramos Calamonte erklärte: „Das Joint Venture und der Beginn der Refinanzierung werden unsere Strategie beschleunigen, um unseren Kunden die besten und relevantesten Produkte zu bieten und Asos zu einem Unternehmen zu machen, das nachhaltiges, profitables Wachstum generiert.
„Topshop und Topman haben sich seit unserer Übernahme gut entwickelt. Das neue Joint Venture mit Heartland zeugt vom Potenzial dieser Marken. Die Partnerschaft wird uns dabei helfen, Topshop und Topman noch mehr Kunden in aller Welt näherzubringen. ASOS wird sich weiterhin auf das konzentrieren, was wir am besten können - die beste Mode entwerfen und für unsere Kundinnen und Kunden stilistische Inspirationen liefern“.
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