erste Version vor: 6/2006
letzte Bearbeitung: 2/2018

VA253.

Grundbegriffe der Wahrheitspr�fung: Der Unterschied zwischen wahr, bewiesen, nicht bewiesen, nicht belegbar, nicht beweisbar, widerlegt, falsch

Au�enseitermeinung

Eine Au�enseitermeinung ist eine Meinung, die nur von einer vernachl�ssigbaren Minderheit vertreten wird.

Das etwas eine Au�enseitermeinung ist, sagt nichts �ber ihren Wahrheitsgehalt aus und auch nichts dar�ber, ob sie sich als Modellvorstellung bew�hrt hat. Die m�glichen Gr�nde f�r den Au�enseiterstatus k�nnen sehr unterschiedlich sein, beispielsweise

  • Es besteht eine kollektive Verdr�ngung zum Thema, daher wird die Meinung nicht ernsthaft gepr�ft
  • Die Meinung ist widerlegt
  • Die Meinung erfordert einen kompletten Umbau des Weltbildes und ist so neu, da� bisher niemand oder fast niemand au�er dem Autor gepr�ft hat, ob ein so umgebautes Weltbild tragf�higer w�re als das Original
  • Der Autor hat seine Meinung zu schlecht dargestellt, so da� andere ihr nicht folgen konnten.

belegt

Man belegt eine Aussage, indem man Beweisstücke oder Autoren die dieselbe Ansicht vertreten anführt oder vorzeigt. Als Belege können gelten:
  • Zeugenaussagen
  • Literaturangaben
  • Gegenstände die die Richtigkeit der Aussage bestätigen
  • Fotos, Zeitungsausschnitte, etc.
  • Beobachtungen die durch
    • Zufall
    • Studien
    • oder Versuche / Experimente
    gewonnen wurden
Etwas "belegen" beinhaltet keine formallogische Beweisführung.

bewiesen

In einer Beweisführung werden Beweise logisch miteinander verknüpft, um Menschen davon zu überzeugen, daß etwas wahr ist. Wenn dieses Überzeugend gelingt, gilt eine Aussage als "bewiesen".

Als Beweise können gelten:

  • Allgemein als wahr anerkannte Prämissen
  • Alle Typen von Belegen
  • eigene Experimente
Wenn etwas bewiesen wurde, kann es trotzdem falsch sein, weil die allgemein anerkannten Prämissen, die meist einfach für Tatsachen gehalten werden, falsch waren und dadurch die gesamte Beweisführung falsch ist. Auch Belege aller Art k�nnen gef�lscht worden sein.

nicht bewiesen, unbewiesen

Als "nicht bewiesen" oder "unbewiesen" gilt alles, für das keine überzeugende Beweisführung gemacht wurde. Wenn etwas nicht bewiesen ist, kann es trotzdem wahr sein, nur daß halt sich noch niemand die Arbeit gemacht hat, es zu beweisen. Oder es kann wahr sein - aber aus irgendwelchen Gründen ist es unmöglich es zu beweisen.

Beispielgeschichte, Kersti:

Im Bereich der Parapsychologie ist es so, da� die Fachleute nahezu alle letztlich zu der �berzeugung gelangen, da� Ph�nomene wie Reinkarnation, Telepathie, Au�erk�rperliche Erfahrungen mit realen Beobachtungen zu einem Zeitpunkt, wenn das Gehirn nicht arbeitet, existieren, da� man diese Ph�nomene aber nicht zuverl�ssig willentlich hervorrufen kann. Die wissenschaftliche Gemeinde als Ganze glaubt jedoch nicht an dieses Ph�nomen.

In einer solchen Konstellation: "Die Fachleute wurden fast alle von den Beweisf�hrungen �berzeugt, fast alle anderen nicht" gibt es drei redliche Aussagen dazu, ob etwas bewiesen sei: Man kann sagen:
  • "Diese Meinung ist bewiesen", da die Meinung der Fachleute ma�geblich ist
  • man kann sagen, "Sie ist umstritten", da die Fachleute mit ihrer Meinung weitgehend alleine dastehen
  • oder man kann sagen, da� die Beweisf�hrung den Autor des Textes nicht �berzeugt hat.
Zu behaupten diese Theorien w�ren "unbewiesen", ohne deutlich zu machen, da� die Fachleute da anderer Ansicht sind, ist in so einem Fall unredlich, da er damit den falschen Eindruck erzeugt, diejenigen Menschen, die die meiste Ahnung vom Thema haben, w�ren der Ansicht, die Theorie sei unbewiesen.

nicht belegbar

Nicht belegbar sind Behauptungen, für die sich keine Belege auftreibbar sind. Eine nicht belegbare Aussage kann trotzdem wahr sein.

nicht widerlegbar

Nicht widerlegbar sind Behauptungen, die so gut belegt sind, da� es unm�glich scheint, eine noch beweiskr�ftigere Sammlung an Belegen anzusammeln, die belegen, da� es falsch ist.

Ebenfalls nicht widerlegbar sind Aussagen, f�r deren falsch sein keine Belege vorstellbar sind. Wenn beispielsweise bewiesen w�re, da� es unendlich viele Parallelwelten gibt, die man prinzipiell nicht alle erforschen kann, l��t sich folgende Aussage nicht widerlegen, selbst wenn sie falsch sein sollte:
"Auf einer der vielen Parallelwelten gibt es Schlurche, deren Kopf am Arsch angewachsen ist."

nicht beweisbar

Nicht beweisbar sind Aussagen, die man nicht beweisen kann.

Die Aussage "Gott befindet sich irgendwo, wo wir ihn nicht finden k�nnen" ist beispielsweise prinzipiell nicht beweisbar. Wenn wir ihn suchen und finden, haben wir sie widerlegt, wenn wir ihn suchen und nicht finden, k�nnte die Aussage trotzdem falsch sein, entweder weil wir nicht sorgf�ltig genug gesucht haben, oder aber weil es ihn nicht gibt, und er sich deshalb nirgendwo befindet. Die Aussage "Gott befindet sich irgendwo, wo wir ihn nicht gefunden haben" ist dagegen beweisbar. Wenn wir ihn suchen und finden, haben wir bewiesen, da� sie wahr war. Nat�rlich ist sie dann von diesem Augenblick an nicht mehr wahr, denn jetzt haben wir ihn in diesem hypothetischen Beispiel ja gefunden.

falsch, unwahr

Die W�rter falsch und unwahr bedeuten dasselbe, n�mlich das Gegenteil von wahr.

denkbar

Als "denkbar" bezeichnet man Ideen oder vorstellungen, die nicht widerlegt sind.

L�ge

Eine L�ge ist eine Aussage, die derjenige, der sie ausspricht f�r falsch h�lt. Trotzdem kann in manchen F�llen eine L�ge auch eine wahre Aussage sein.

Beispiel: Ein Widerstandsk�mpfer wurde von der Gestapo befragt, wo seine Komplizen seien. Da er genau wu�te, da� sie dort nicht hingehen wollten, sagte er, sie seien auf dem Friedhof. Die Gestapo schickte Leute zum Friedhof, fand dort die Komplizen des Widerstandsk�mpfers und nahm sie gefangen.
Hier hat der Widerstandsk�mpfer gelogen und gleichzeitig die Wahrheit gesagt.

Irrtum

Ein Irrtum ist eine Aussage, die derjenige, der sie macht, f�r wahr h�lt, die aber trotzdem falsch ist. Oder aber eine Aussage, die er f�r Falsch h�lt und die trotzdem wahr ist. Ein Beispiel hierf�r ist wieder die Geschichte mit dem Widerstandsk�mpfer und der Gestapo.

umstritten

Umstritten ist eine Meinung, wenn man sich eben darum streitet, ob sie wahr ist.

Wenn nachdem ein solcher Streit durch ist, fast alle Fachleute einer Meinung sind aber einer stur bei seiner abweichenden Meinung bleibt, w�hrend die anderen sich nicht mehr f�r seine Meinung interessieren, da sie jedes Argument und jeden Beweis auswendig kennen, ist die meinung nicht mehr umstritten. Sie ist uninteressant geworden, weil alle Beteiligten mit ihrer Pr�fung so weit durch sind, wie sie es �berhaupt pr�fen wollen. sie ist zur Au�enseitermeinung geworden.

Wenn sich die Fachleute darum streiten, ob eine bestimmte Meinung wahr ist, l��t sich daraus nur eines ableiten: Wer immer die Antwort auf die Frage, ob das eine oder das andere zutrifft als Grundlage f�r etwas anderes braucht, mu� selber pr�fen, welcher von beiden Standpunkten am ehesten zutrifft oder aber belegen da� f�r beide m�glichen Meinungen gilt, da� das wof�r er es braucth triotzdem funktioniert.

wahr

Wenn etwas wahr ist, ist es einfach wahr. Das heißt aber nicht unbedingt, daß man diese wahre Aussage beweisen kann.

Nehmen wir einmal an, ich stehe im Zimmer und sehe einen roten Teppich vor mir in der Luft schweben. Petra steht mir gegenüber und kann diesen Teppich nicht sehen, obwohl sie dahin schaut, wo der Teppich sein müßte.

In diesem Falle ist meine Aussage: "Ich sehe vor mir einen roten Teppich" unzweifelhaft wahr. Wenn Petra jetzt antwortet: "Ich sehe ihn aber nicht." ist das auch wahr. Ich kann aber eventuell nicht wissen, daß es wahr ist - beispielsweise wenn dieser Teppich völlig echt aussieht und an einer Stelle in der Luft zu schweben scheint, an der Petra ihn doch eigentlich sehen müßte. Sie könnte mich ja belügen.

Ob die Aussage: "Da schwebt ein roter Teppich in der Luft." wahr ist, ist dagegen nach obiger Situationsbeschreibung nicht so leicht zu entscheiden: Eventuell ist es eigentlich ein weißer Teppich der mit rotem Licht angestrahlt ist und für mich deshalb rot aussieht. Oder der Teppich befindet sich nicht wirklich dort in der Luft, sondern liegt irgendwo anders und das Bild des Teppichs wurde mir Hilfe einer Linse dorthinprojiziert und Petra kann ihn nicht sehen, weil das Licht von hinter ihr kommt. Oder aber ich habe eine Halluziation.

Ob es wahr ist, daß der Teppich da schwebt, hängt nicht davon ab, ob ich es beweisen kann. Viele wahre Aussagen sind mit verfügbaren Mitteln weder beweisbar noch belegbar.

widerlegt

Widerlegt ist etwas, f�r das belegt ist, da� es nicht stimmt. Hier gilt dasselbe wie f�r den Begriff belegt - auch eine Ansicht, die widerlegt wurde, kann sich im nachhinein als wahr erweisen, wenn sich herausstellt, da� die Belege falsch oder irref�hrend waren.

Kersti

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Ein Text von Kersti Nebelsiek, Alte Wilhelmshäuser Str. 5, 34376 Immenhausen - Holzhausen, Tel.: 05673/1615, https://www.kersti.de/, Kersti_@gmx.de
Da ich es leider nie schaffe, alle Mails zu beantworten, schon mal im voraus vielen Dank für all die netten Mails, die ich von Lesern immer bekomme.