Salep

Salep (auch Sahlep, Sahleb oder Sahlab, türkisch Salep, abgeleitet von arabisch سحلب, DMG saḥlab) bezeichnet getrocknete Wurzelknollen verschiedener Erdorchideen, ein daraus hergestelltes Pulver sowie das daraus hergestellte Getränk.
Die ursprünglich für die Herstellung von Salep genutzten Orchideen sind im Bestand bedroht und daher geschützt. Der Handel mit entsprechenden Produkten ist in Europa und anderen Ländern verboten. Als Ersatz wird die Stärke verbreiteter Nutzpflanzen verwendet.
Wurzelknollen
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Erdorchideen besitzen zur Blütezeit zwei Knollen, eine verwelkte, auf deren Kosten sich der blühende Stängel entwickelt hat, und eine ungeteilte, kugelige oder handförmig geteilte, gelappte, aus welcher sich im folgenden Jahr ein blühender Stängel entwickelt.
Alle Orchideenknollen können Salep liefern. Jedoch wurden in Mitteleuropa insbesondere die Knollen von Kleinem Knabenkraut (Orchis morio), Männlichem Knabenkraut (Orchis mascula), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), Brandknabenkraut (Orchis ustulata), Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis), weniger die geteilten Knollen des Gefleckten Knabenkrautes (Dactylorhiza maculata), Fleischfarbenem Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) und Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) zur Herstellung von Salep verwendet.[1]
Zur Herstellung werden die ungeteilten, vollsaftigen Knollen nach der Blütezeit verwendet. Frisch geerntet schmecken diese bitter und haben einen unangenehmen Geruch.[1]
Traditionell werden die Knollen nach dem Sammeln zur Entfernung der anhaftenden Erde gewaschen, dann 10 bis 15 Minuten lang in Milch gekocht und schließlich im Schatten getrocknet, bis sie nach 7 bis 10 Tagen fest werden.[2.1]
Die runden Knollen sind nach dem Trocknen höchstens 3 cm lang und 2 g schwer, sehr unregelmäßig gestaltet, hart, spröde, gelblich grau, riechen schwach aromatisch, schmecken fade.[1]
Sie enthalten je nach Orchideenart und Wachstumsbedingungen unterschiedliche Anteile an Glucomannan, Stärke, Eiweiß und Asche.[2.2]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Volksmedizin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Signaturenlehre galt Salep (auch als Stendelwurz und Satyrion bezeichnet) seit dem Altertum im Hinblick auf die Gestalt der beiden rundlichen, nebeneinander sitzenden Knollen als ein wirksames Mittel zur Wiedererlangung der Zeugungskraft. Theophrastos von Eresos und Dioskurides schrieben ihm große Nährkraft zu. Durch die Araber kamen vermutlich persische und andere orientalische Salepknollen nach Europa, doch benutzte man hier im Mittelalter auch die Knollen heimischer Orchideen. Als es keine besseren Medikamente gab, benutzte man ihn auch als Hausmittel bei Durchfällen. Eine arzneiliche Wirkung besitzt er jedoch nicht.
Saleppulver
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Salep dient bei der Lebensmittelherstellung als Verdickungsmittel. Gepulvert geben Salepknollen mit dem 40- bis 50-fachen Gewicht kochenden Wassers eine steife Gallerte. In der Türkei wird Salep zur Herstellung von Speiseeis und Milchprodukten benutzt.
Inzwischen wird Saleppulver oft durch billigere und ökologisch unbedenkliche Pflanzenstärke (Mais-, Weizen-, Kartoffel- oder Tapiokastärke) ersetzt.
Getränk
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Salep ist auch der Name für ein vor allem in der Türkei und der arabischen Welt verbreitetes süßes, heiß getrunkenes und vor allem im Winter serviertes Getränk. Neben Milch und Zucker stellt traditionell Saleppulver den Hauptbestandteil des Getränkes dar. Inzwischen wird statt Saleppulver oft Pflanzenstärke zur Zubereitung verwendet. Verfeinert werden kann er mit gemahlenem Zimt, Kokosraspeln, zerkleinerten Erdnüssen, Haselnüssen und/oder Pistazien.
Beliebt ist beispielsweise ein Salep-Instantpulver „Ekspres Salep“, das unter einem bekannten Markennamen in der Türkei angeboten wird. Neben Saleppulver, Zimt und einem Trennmittel findet sich dort als weiteres Verdickungsmittel modifizierte Kartoffelstärke.
Anfang des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Salop (auch Saloop) in England ein bekanntes Heißgetränk aus Salep, später wurden dann die Blätter und Wurzeln des Sassafrasbaums verwendet.[3]
Im 19. Jahrhundert wurde Salep mit Milch, Wasser und Zucker auch in Deutschland als Suppe für Kinder zubereitet.[4]
Artenschutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heute stehen alle oben genannten Orchideenarten unter dem Schutz nationaler und internationaler Gesetze, was insbesondere für die unterirdischen Pflanzenteile gilt.
Alle für die Herstellung von Salep verwendeten Erdorchideen sind über das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und teilweise stark in ihrem Bestand bedroht. Da die Knolle ausgegraben wird, wird die Pflanze durch die Ernte vollständig zerstört.
Innerhalb der EU sind alle Orchideenarten besonders geschützt und der Handel mit Salep ist verboten.
Auch in einigen türkischen Regionen sind die verwendeten Orchideen inzwischen gefährdet.[5]
Für die Einfuhr von Salep-Produkten in die EU ist eine Einfuhrgenehmigung erforderlich. Solche Einfuhrgenehmigungen wurden in Deutschland und den Nachbarländern nicht erteilt, weshalb die Salebprodukte, die tatsächlich Orchideen enthalten, illegal vertrieben werden. Als Herkunftsländer dieser Produkte sind häufig Jordanien, Syrien oder der Libanon angegeben.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Hugo Lauer: Zur Überlieferungsgeschichte der Salep-Wurzel. In: Gundolf Keil, Rainer Rudolf, Wolfram Schmitt, Hans Josef Vermeer (Hrsg.): Fachliteratur des Mittelalters. Festschrift Gerhard Eis. Metzler, Stuttgart 1968, S. 395–420.
- Handel mit Salep in Köln. Stadt Köln
- Salep. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 212–213.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Salep. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 212–213.
- Mehmet Akif Şen, Ibrahim Palabiyik, Şefik Kurultay: Composition, viscosity and solubility of saleps from twenty different orchid (Orchidaceae) species. In: Food Measure. Band 12, 2018, doi:10.1007/s11694-018-9747-y (englisch).
- ↑ Joseph T. Shipley: Dictionary of Early English. Rowman & Littlefield, 1955, ISBN 978-1-4422-3398-0 (Reprint), S. 573.
- ↑ SLUB Dresden: Supp', Gemüs' und Fleisch. Abgerufen am 6. April 2021 (deutsch).
- ↑ Hürriyet vom 20. Januar 2003: Zeitungsartikel über Sahlep (türkisch).
- ↑ Handel mit Salep in Köln. Abgerufen am 6. Juni 2024.