White Power


White Power (im Sinne von: Weiße Macht) ist ein oft verwendeter Schlüsselbegriff in der Neonaziszene.
Entstehungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff White Power und das Symbol der White-Power-Faust entstand als Provokation gegenüber dem Black‑Power-Slogan der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner in den USA.[1] Aufgegriffen wurde es unter anderem von dem Briten Ian Stuart (Donaldson), dem Sänger der Rechtsrockband Skrewdriver im Lied "White Power"(erschienen 1983),[2] und später zum Wahlspruch (auch abgekürzt als "WP")[3] für die nationalsozialistische und rassistische Theorie von der Vorherrschaft der „weißen Rasse“.[3]
Symbole
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die weiße, aufwärts gerichtete, meist rechte geballte Faust ist eines der weltweit am häufigsten verwendeten Symbole im Neonazi-Umfeld.[4] Die Faust wird häufig eingeschlossen durch den ebenfalls weißen Schriftzug White Power (WP)[3], Supreme White Power (SWP)[5] oder White Pride World Wide (WPWW)[5]. In der rechtsextremen Skinhead-Szene wird die Faust auch oft in einem Lorbeerkranz gezeigt.[6]
Ein weiteres häufig in Verbindung mit White Power stehendes Symbol ist das Keltenkreuz.[4] Seit dem 14. November 2008 ist in Deutschland das Tragen des stilisierten Keltenkreuzes (wie rechts abgebildet) strafbar.[7][4]
Okay-Zeichen als White-Power-Geste
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Seit 2017 wird vereinzelt das Tauchzeichen für Okay von der White-Power-Szene missbraucht. Demnach bilden Zeigefinger, Daumen und Arm ein „P“, während die übrigen Finger, hier bewusst abgespreizt, ein „W“ bilden sollen.[8]

Das Zeichen geht auf einen Hoax namens „Operation O-KKK“ aus dem Internetforum 4chan zurück. Dabei wurde das eigentlich harmlose und weit verbreitete Handzeichen als rechtsextremistisches Symbol dargestellt, um Aufregung bei Medien und der politischen Linken zu erzeugen und diese somit zu „trollen“.[9][10] Die Verbreitung geschah über False-Flag-Konten auf dem Sozialen Medium Twitter. Die Konten behaupteten, das Handzeichen, das an die Buchstaben „W“ und „P“ erinnert, stünde für „White Power“ oder „White Pride“, eine Assoziation, die vorher nichtexistent war.[11]
Das Zeichen wurde unter anderem von rechten Medienpersönlichkeiten und Politikern wie Mart und Martin Helme, Mike Cernovich, Donald Trump, Milo Yiannopoulos sowie Marine Le Pen[12] gezeigt.[13][14][9] Auch gewalttätige Rechtsextremisten wie der Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant und der Attentäter des Anschlags auf eine Moschee in Bærum sowie einige Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol in Washington 2021 benutzten das Symbol.[15][16][17] Die Anti-Defamation League stufte das OK-Zeichen 2019 offiziell als Hasssymbol ein, merkt allerdings an, dass es ohne zusätzliche kontextuelle Evidenz nicht eindeutig als „trollendes“ Verhalten oder rechtsextrem eingestuft werden kann. Die weit überwiegende Mehrheit der Benutzungen des Symbols sei nach wie vor vollkommen harmlos.[18][10][19]
Mehrere Personen sind wegen der Benutzung des OK-Symbols seit 2017 gekündigt oder anderweitig von ihrem Arbeitgeber gemaßregelt worden.[20][21][22] Die Brandenburger Landesvorsitzende des AfD-Jugendverbands Junge Alternative Anna Leisten wurde im August 2023 vom Landesvorstand der AfD Brandenburg abgemahnt, weil sie in einem Instagram-Posting vom August 2022 neben einem Redakteur des rechtsextremen Magazins Compact das Zeichen verwendet hatte.[23]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ White-Power-Faust. In: Das Versteckspiel. Agentur für soziale Perspektiven e.v., abgerufen am 26. Juli 2025.
- ↑ „Skrewdriver“: Rechtsrock in Baden-Württemberg. In: Belltower.News, online. Amadeu Antonio Stiftung, 19. Oktober 2022, abgerufen am 18. März 2026.
- 1 2 3 Rechtsextreme Codes. Konrad Adenauer Stiftung, 16. Februar 2015, abgerufen am 18. März 2026 (deutsch).
- 1 2 3 Arbeitsmaterial: Rechtsextremes Verhalten: Symbole und Codes. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 18. März 2026.
- 1 2 SWP = Supreme White Power | Aussteigerprogramm Niedersachsen. Ambulanter Justizsozialdienst Niedersachsen: Hier auch die Abkürzung WPWW, WPWW hat keinen anklickbaren Link., abgerufen am 18. März 2026.
- ↑ Kennzeichen des Rechtsextremismus. Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, abgerufen am 18. März 2026.
- ↑ Beschluss des 3. Strafsenats des Bundesgerichtshofs vom 1. Oktober 2008, Az. 3 StR 164/08 (PDF-Datei; 105 kB), vgl. auch Pressemitteilung Nr. 209/2008 des BGH vom 14. November 2008
- ↑ Stephen Weber: White-Power-Gruß: Das steckt hinter dem Handzeichen. In: mittelhessen.de. VRM GmbH & Co. KG, 14. April 2025, abgerufen am 26. Juli 2025.
- 1 2 When is the 'OK' gesture not OK? In: BBC. 16. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- 1 2 Okay Hand Gesture. In: adl.org. Anti Defamation League, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Michael Andor Brodeur: That hand symbol you’re seeing everywhere? Not OK - The Boston Globe. In: The Boston Globe. Boston Globe Media Partners, LLC, 20. September 2018, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Que signifie le geste raciste « O-KKK » qu’a reproduit Marine Le Pen ? 15. Mai 2019, abgerufen am 22. November 2023 (französisch).
- ↑ Emily Shugerman: Two members of alt-right accused of making hand sign linked to white supremacy while visiting White House. In: The Independent. Independent Digital News & Media Limited, 29. April 2017, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Neues Alt-Right-Meme | Wird das OK-Zeichen zum Symbol der Rechten? , auf br.de
- ↑ Der 50-fache Mörder von Christchurch zeigt kein Anzeichen von Reue. In: B.Z. Axel Springer SE, 16. März 2019, abgerufen am 21. Mai 2020.
- ↑ Philip Manshaus fengslet i åtte nye uker. 6. Januar 2020, abgerufen am 14. Juni 2026 (norwegisch (Bokmål)).
- ↑ A. B. C. News: The symbols of hate and far-right extremism on display in pro-Trump Capitol siege. Abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
- ↑ When is the 'OK' gesture not OK? 16. Mai 2019 (bbc.com [abgerufen am 14. Juni 2026]).
- ↑ Tessa Högele: Das Okay-Handzeichen wird jetzt offiziell als Hasssymbol gelistet. In: ze.tt. ze.tt GmbH, 2. Oktober 2019, abgerufen am 21. Mai 2020.
- ↑ Douglas Ernst: Cubs investigate fan’s ‘offensive gesture that is associated with racism’ during broadcast. In: The Washington Times. The Washington Times, LLC, 8. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Joel Shannon: Coast Guard member reassigned after he flashed 'offensive' hand gesture on TV. In: USA Today. Gannett, 5. Dezember 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Universal Orlando actor fired for making racist hand gesture. In: AP News. The Associated Press, 2. Oktober 2019, abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
- ↑ Frederik Schindler, Parteistrafe gegen Chefin der Jungen Alternative Brandenburg, in: Die Welt vom 8. August 2023 (Online)