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Eigene Verse


Von unseres Helden eigenen dichterischen Versuchen ausf�hrlicher zu reden, w�rde ihr Verfasser sich selbst wohl verbeten haben. Die erhaltenen bestehen aus sechs, den Jahren 1770�1782 entstammenden "Denkversen", d. h. gereimten Nachrufen auf verstorbene Amtsgenossen, zu denen Vorschrift oder Sitte ihre collegae ordinarii verpflichtete. Nicht, dass sie eines Kant unw�rdig w�ren. Im Gegenteil, sie lassen uns den sittlichen Menschen Kant h�chstens noch lieber gewinnen: sei es, dass er bei dem Tode des Moralphilosophen "das Gesetz in uns", oder bei dem eines Juristen den "geraden Sinn" als den besten "Leitstern in der Rechte Dunkelheit" preist, sei es, dass er dem Theologen Lilienthal die sch�nen Worte nachruft:

 

"Was auf das Leben folgt, deckt tiefe Finsternis.

Was uns zu tun geb�hrt, des sind wir nur gewi�.

Dem kann, wie Lilienthal, kein Tod die Hoffnung rauben,

Der glaubt, um recht zu tun, recht tut, um froh zu glauben."

 

Aber nur der ethische Gehalt ist es, der uns hier zur Anerkennung stimmt, nicht die poetische Form, deren regelm��ig gebaute, aber eint�nige Alexandriner sich durchaus im Geleise des Hergebrachten bewegen. Noch weniger dichterischen Wert oder gar Goetheschen Stil *) vermag ich in dem niedlichen Gedichtchen zu finden, das der 79 j�hrige Greis, nach seines treuen Hausgenossen Wasianski Mitteilung, noch in seinem letzten Lebensjahre, am 17. August 1803, in sein Merkb�chlein eintrug:

 

Ein jeder Tag hat seine Plage,

Hat nun der Monat drei�ig Tage,

So ist die Rechnung klar.

 

Von Dir kann man dann sicher sagen,

Dass man die kleinste Last getragen

In Dir, Du sch�ner Februar.

 

Jedenfalls hat Kant mehr Selbsterkenntnis gezeigt, als seine uneingeschr�nkten Bewunderer, wenn er 1764 die Professur der Dichtkunst ablehnte, auch niemals von jenen auch nach Borowskis Urteil "ganz unbedeutenden Versuchen", die ihm "zu den Ged�chtnisschriften der Universit�t ... abgefordert wurden", das geringste Aufheben gemacht hat. Dass es gleichwohl "die besten unter allen" gelieferten waren (Wald), wollen wir trotzdem glauben.

 

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*) Es klingt fast humoristisch, wenn F. J�nemann (Kantiana S. 8) meint, dass er, w�re der Verfasser des Poems unbekannt, "zuerst auf Goethe schlie�en w�rde".


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