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Das letzte Auto des Herrn Gröbchen

6. September 2024

Porsche? Tesla? China-Kracher? Die Wahl fällt auf einen Mazda MX-5 der ersten Serie. Oldie but Goldie! 

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„Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein“ lautet ein berühmtes Zitat von Ferdinand Porsche. Hatte der Begründer der gleichnamigen Firma ein Produkt aus dem eigenen Haus im Hinterkopf? 

Man wird Professor Porsche nicht mehr dazu befragen können. Der Konstrukteur u.a. des Volkswagens Typ 1 („Käfer“, vormals „Kraft durch Freude“-Wagen) starb 1951 in Stuttgart. Aber eine gewisse Visionskraft steckt in dieser Vorhersage, auch wenn vor einem Dreiviertel-Jahrhundert das Ende des Verbrennungsmotors noch nicht absehbar war. Ist es heute tatsächlich beschlossene Sache? Lechzen nicht gerade all die historischen Schaustücke und Garagenrenner nach E-Fuels und sauteuren synthetischen Treibstoffen, sollten die Benzin-Zapfhähne einst demontiert werden?

Man muss Porsche zugute halten, dass er selbst als Techniker die viel beschworene Technologieoffenheit lebte – noch im 19. Jahrhundert (!) erfand der notorische Tüftler bei Austro-Daimler den Radnaben-Elektromotor, anno 1902 entwickelte der Mann das erste Hybrid-Fahrzeug der Welt.

Aber die Frage nach dem letzten Auto ist eine philosophische. Sie greift den ewigen Drang des Menschen nach Mobilität, nach dem Höher-Schneller-Weiter, nach raumgreifender Maschinen(all)macht auf. Also doch ein Sportwagen? Ich hätte ja anno 2024 eher auf einen Militär-Transporter getippt; die Bestattung Wien verkauft auf ihrer Homepage T-Shirts mit dem Aufdruck „Der letzte Wagen ist immer ein Kombi!“. Nicht unoriginell. Und gewiss nicht unwahr: der Leichenwagen als finales Statement. Eselskarren oder Cybertruck?

Ich beantworte die Eingangsfrage weit pragmatischer. Für mich allein. „Bauen“ muss freilich durch „Fahren“ ersetzt werden. Denn was ein letzter Ur-Ur-Enkel von Ferdinand Porsche, Elon Musk oder Toyoda Kiichiro und Toyoda Eiji (den Begründern von Toyota, dem zweitgrößte Automobilhersteller der Welt) einst bauen wird, lässt sich beim besten Willen nicht erahnen. Technologieoffenheit kann perspektivisch auch bedeuten, dass man längere Strecken elegant via Drohne zurücklegt, wir uns via Teletransporter von Ort zu Ort beamen werden oder dank Digitalvernetzung und künstlich intelligenten Klon-Existenzen auch zu komplett bewegungslosen, madenartigen Wesen mutieren… Science Fiction-Romane wurden und werden ja seriell Realität. Allerdings ist uns allen eine biologische Ablaufdauer in die DNA eingeschrieben; ich überlasse die Zukunft daher zwangsläufig der Enkel-Generation.

Aber auch mein letztes Auto wird ein Sportwagen sein. Naja, fast. Ein Mazda MX-5. Der meistgebaute Roadster der letzten fünfunddreißig Jahre ist von der Motorstärke her nur bedingt ein ernstzunehmender Sportler, erst sein niedriges Gewicht macht ihn zu einem agilen Sparringpartner der Porsche-Liga. Meist kurvt man damit, das Fetz’ndachl eingeklappt, entspannt durch die Gegend. Ein Spaßauto: Zweisitzer ohne Familienanschluß. 

Ich selbst besitze bereits den dritten MX-5 – immer ein Modell der ersten Serie („NA“), das mit dem Froschmaul und den Klappscheinwerfern. Weil ich aber alle Jahre wieder einen Jubelartikel über mein Lieblings-Cabrio schreibe, stellt mir der Importeur gern für ein paar Tage aktuelle Ausführungen zur Verfügung. Quasi zum Vergleich. Diesmal ist die vierte Generation dran – der erste MX-5 kam 1989 auf den Markt –, Modellreihe 2RF 2.0L Skyactiv G „Homura“, die Jubiläumsserie in „Soul Red Crystal“. Sprich: eine nicht unauffällige Targa-Variante. 

Genug der Werbedurchsagen. Dieses Testfahrzeug wird nur mein letztes Auto sein, wenn die Bremsen auf der Großglockner-Hochalpenstraße versagen. Also: unwahrscheinlich. Mein eigener Oldie, ein knallgelber MX-5 Baujahr 1995, hat da schon größere Chancen. Denn mein Alltags-Vehikel, ein schnöder Opel Zafira, hat mit knapp 250.000 Kilometern Laufleistung das Zeitliche gesegnet – davor hat der Familien-Van unbeirrbar treue Dienste geleistet; ich trauere ihm tatsächlich ein wenig nach. 

Aber was tut man dann? Heutzutage!!? Ich sage es offen: die Entscheidung für oder gegen ein Elektromobil fällt mir schwer; habe bei unzähligen „Maschinenraum“-Testfahrten alle Vor- und Nachteile kennengelernt. Die E-Karren sind schon recht passabel, ja bisweilen anziehend innovativ und ausgereift (wenn auch noch deutlich zu teuer) – die Problematik liegt für viele (und auch für mich) in der mangelhaften Lade-Infrastruktur. Ich habe wenig Lust, zum Stromtanken immer den nächstliegenden Supermarkt-Parkplatz aufzusuchen. Bequemlichkeit ist ein Killer-Argument, gewiss, zumal im Kontext der Klima-Entwicklung – aber sie ist wohl noch auf absehbare Zeit der entscheidende Faktor im Verkehrsgetriebe. Und, ganz ehrlich: das beschlossene Ende des Verbrennermotors (in Neufahrzeugen!) anno 2035 liegt in absurder Ferne, nimmt man das Thema ernst.

Also: Kaufentscheidung sistiert. Bis auf Weiteres kein weiteres Auto in Sicht. Bleibt der MX-5. Er ist unpraktisch, unkomfortabel (nicht mal elektrische Fensterheber!), unsicher (sprich: hat auch keine nervigen elektronischen Assistenten, big like), man sieht mit Ü-60 ein bissl hüftsteif aus, wenn man sich nach längerer Fahrt aus dem tiefliegenden Sitz erhebt. Aber das gelbe Gefährt zaubert einem mit Garantie ein Lächeln ins Gesicht. Bei jeder Ausfahrt. Und es ist mit dieser Lebensdauer in seiner Öko-Bilanz wahrscheinlich noch auf Jahre hinaus im grünen Bereich im Vergleich zu jedem noch so ausgeklügelten Elektromobil. Ein aktueller Verbrenner steht ja auch eher nicht zur Diskussion.

Insofern wird das letzte Auto, das für mich gebaut worden ist, ein Sportwägelchen sein.

(Das Feuilleton No. 7 / Sommer 2024)

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