Wege des Wissens
Das Medizinrad (Sun Bear & Wabun) hat sich weitergedreht in den
Mond der kraftvollen Sonne, dort bleibt es vom 21.Juni bis zum 22. Juli.
Die Große Ordnung hat Menschen, die in diesem Mond geboren wurden, zur Begleitung und Schutz und Hilfe am Lebensweg den Karneol als Totem im Reich der Mineralien, die zartrosa Heckenrose im Pflanzenreich und den geheimnisvollen Specht ausgewählt und zur Seite gestellt. Es heißt, Spechtmenschen haben die Fähigkeit, die reale Ebene zu durchdringen und die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Dazu können sie vom Specht das Trommeln lernen, das sie ihre Kraft erkennen läßt und ihnen zum Gesang des Lebens verhilft. Der Specht ist ein starker, zuverlässiger Begleiter, er baut perfekte Nester und ist der Meinung, daß man ein sicheres Nest braucht, um sich dorthin zurückziehen zu können, wenn es draußen zu stürmisch wird.
Ich liebe diese Geschichten aus dem Medizinrad. Ob sie besser oder schlechter sind als die der ebenso angezweifelten Astrologie, ob sie womöglich sogar erfunden wurden, wie gerne auch behauptet wird, ist mir vollkommen egal. Wenn ich dem Specht zuhöre, wie er trommelt, und vor allem, daß jeder Specht einen eigenen Rythmus hat, dann erscheint es mir sehr glaubhaft, daß wir mit seiner Hilfe unser eigenes Lied erkennen oder zumindest erfahren können, ob wir überhaupt eins haben.
Noch so ein der extremen Schwurblerei Verdächtigter war dieser Carlos Castaneda. Auch wenn man heute, lange nach seinem Tod weiß, wer er war, wird in „Fachkreisen“ heftig bezweifelt, daß er seine Geschichten um diesen Schamanen wirklich erlebt hat. Und ob es diesen Don Juan überhaupt gegeben hat, das ist mir auch längst egal und heute redet eh kein Mensch mehr von New Age und extra nach Südamerika zu reisen, um irgendwelche Peyote Pilze zu rauchen … da gibt es längst ganz andere Wege zur Betäubung in jeder Lebenslage. Für mich ist dieser „Weg des Wissens“ immer noch geheimnisvoll und wenn sich Castaneda das alles ausgedacht hat, dann beweist es ein enormes Wissen um andere Wirklichkeiten als das Wenige, was wir sehen und uns einbilden, das wäre alles, was existiert.
Es gibt in den ersten Büchern über die Lehre bei Don Juan ein paar grundlegende Wahrheiten und die deuten alle darauf hin, ganz genau hinzuschauen, zu horchen, zu riechen, wahrzunehmen und das in absoluter Bewegungslosigkeit und ohne Zeitbegrenzung … eigentlich genau das, was wir stundenlang mit dem Handy machen: hinstarren.
Ich fahre mit dem Radl immer den gleichen Weg durch den Wald und obwohl ich ihn schon tausend Mal gefahren bin, ist er doch jedes Mal ein anderer. Ein Windhauch gleicht niemals einem anderen, die Blätter bewegen sich nie im gleichen Rythmus, die Steine am Weg liegen immer anders, Blumen und Gräser wechseln im Werden und Vergehen und in den Standorten. Die Wolken machen was sie wollen, auch sie niemals dasselbe. Der abgebrochene Baumstumpf, der mich jahrelang an den „Salvator mundi“ erinnert hat, schaut seit etlicher Zeit je nach Lichteinfall aus wie ein kleiner und ein großer König aus, beide mit Krone und der große streckt noch seinen rechten Arm weit in die Höhe. Und vor jedem Vorbeifahren bin ich gespannt, wieviele grad im Bild sind, derHerr der Welt mit diesem sonderbar verdrehten Finger oder die beiden mit der Krone…
Und dann gibt es immer noch wie schon viele Jahre die wechselnden Stellen am Waldrand, wo sich ganze Schwärme Schmetterlinge tummeln und in Kreisen herumfliegen, alle in dieser wunderbar leuchtenden Farbe meines inneren Löwen: orange, wie die Flammen des Feuers! Und regelmäßig fliegt einer mit, und umkreist mich beim Radfahren und bleibt in der Luft stehen und fliegt wieder voraus und ich folge ihm und er fliegt neben mir her, wenn ich den Berg hinaufschiebe und dann, wenn ich oben auf der Bank sitze, kreist er um mich herum, setzt sich sekundenlang auf meine Hand und dann fliegt er weg.
Schau genau hin, sagt Don Juan, beobachte, wohin Dich der Schmetterling führen will.
Früher bin ich in ferne Länder gereist, weil ich Großes sehen wollte, aber das Große habe ich im Großen nicht gefunden. Heute sitze ich auf der Hausbank und schaue in die Nacht oder stehe im Wald und schließe die Augen und mir ist … als wäre das wirklich Große
im Kleinen.
Sei lieb gegrüßt Frau Kraulquappe aus der fernen Nähe, wo man sich mit dem Messer die zähe warme Luft in Würfel zerteilt herausschneiden muß, damit man durchsteigen kann, um sich fortzubewegen. Meiomei! Babaa und foi ned!







